FORUM Sexualaufklärung und Familienplanung, 3-2007 - Jugend
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FORUM Sexualaufklärung und Familienplanung

Jugend

„Nicht aufregen, in der Pubertät kann man sich so ziemlich alles erlauben“, konstatierte meine 13-jährige Nichte vor einiger Zeit, und hat ihre Eltern mit ihrem lässigen Charme verblüfft. Um Gelassenheit ist es in den Familien allerdings schnell geschehen, wenn Kinder erwachsen werden und dabei die Relevanz von Werten und Normen prüfen, häufig, indem sie sie übertreten. Von der Pubertät, vor allem aber von den aktuellen Lebensverhältnissen, Einstellungen und Verhaltensweisen Jugendlicher in Deutschland, handelt dieses FORUM.

Cover: FORUM Sexualaufklärung und Familienplanung, 3-2007 - Jugend
Über Lebensbedingungen Jugendlicher und junger Erwachsener in Ost und West und ihre Chancen auf Teilhabe an der Gesellschaft geben die repräsentativen Ergebnisse des DJI-Jugendsurveys Auskunft, bei dem Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 29 Jahren seit 1992 wiederholt intensiv befragt wurden. „Die Jugendlichen in Deutschland stellen weiterhin eine pragmatische Generation dar, die sich den Leistungsanforderungen stellt, die Sicherheit und Rückhalt angesichts einer als schwieriger wahrgenommenen Umwelt vor allem im persönlichen Nahbereich sucht“, so das Fazit des Beitrags über die 15. Shell Jugendstudie, die unter anderem Werte, Generationenkonflikte, Geschlechterverhältnisse, Einstellungen zu Familie, Bildung und Religion thematisiert. Über Körperbilder, Diätversuche und selbstverletzendes Verhalten gibt eine umfangreiche Untersuchung aus Baden-Württemberg Auskunft. Jugendliche und ihre Eltern wurden darin zur Lebenssituation und zu Verhalten, Risiken, psychischem Befinden und Problemen befragt. Die Kinder- und Jugendgesundheitsstudie KiGGS des Robert Koch- Instituts liefert umfassende Informationen zur Kindergesundheit in Deutschland. Anhand dieser Daten werden Veränderungen in der körperlichen und sexuellen Reifung bei Kindern und Jugendlichen im Zeitverlauf skizziert. Eine wesentlich frühere Reifeentwicklung, dies sei vorweggenommen, konnte durch diese Studie nicht bestätigt werden.

Michael Schulte-Markwort, Direktor der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychosomatik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, hat uns einige Fragen zur Hirnreifung in der Pubertät beantwortet, die für pubertäre Verhaltensweisen und die moralische Entwicklung im Jugendalter von Bedeutung sind.

In einer umfangreichen Befragung von 950 jungen Frauen mit Migrationshintergrund wurde unter anderem nach Einstellungen und Wissen zur Sexualität sowie den für ihre Sexualaufklärung relevanten Personen, Institutionen und Medien gefragt. Die Ergebnisse zeigen, dass weit verbreitete, stereotype Vorstellungen weiblicher Sexualität bestimmter Migrantinnengruppen, insbesondere muslimischer Frauen und Mädchen, nicht der Realität entsprechen. Eine verstärkte interkulturelle Ausrichtung der Sexualaufklärung erscheint den Autorinnen unverzichtbar. Im letzten Beitrag geht es um den Prozess des homo- und bisexuellen Coming-outs und die Frage, weshalb das Outing häufig erst lange nach der Pubertät stattfinden kann.