frauen leben 3: Familienplanung von 20- bis 44-jährigen Frauen – Schwerpunkt Schwangerschaftskonflikte (Ausgewählte Ergebnisse)
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frauen leben 3: Familienplanung von 20- bis 44-jährigen Frauen – Schwerpunkt: ungewollte Schwangerschaften und Schwangerschaftskonflikte

frauen leben 3: Familienplanung im Lebenslauf – Schwerpunkt Schwangerschaftskonflikte

Die Studie und ihre Fragestellung

Die Studie liefert ein umfassendes Bild der Familienplanung im Lebenslauf von 20- bis 44-jährigen Frauen. Diese wurden retrospektiv dazu befragt, welche Schwangerschaften in den jeweiligen Lebensphasen und unter den jeweiligen Lebensumständen gewollt oder ungewollt eintraten, wie mit Schwangerschaftskonflikten umgegangen wurde und wie die Entscheidung zum Austragen oder Abbrechen einer ungewollten Schwangerschaft getroffen wurde. (1) Weitere Themen der Erhebung waren Partnerschaften, Verhütung und Kinderwunsch.

Cover des Kurzberichts frauen leben 3

Inhaltsübersicht

Die standardisierte Telefonerhebung mit 4.002 Frauen ist repräsentativ jeweils für die vier Bundesländer Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen und Sachsen und wurde vertieft durch eine qualitative Interviewstudie mit 97 Frauen. Damit liegen erstmals seit 15 Jahren auf der Basis einer breiten Bevölkerungsbefragung von 4.002 Frauen empirische Daten vor, die unter anderem erklären können, warum auch in Zeiten breit zugänglicher, sicherer Verhütung ungewollte Schwangerschaften eintreten und warum Schwangerschaften abgebrochen werden. Es werden Schlussfolgerungen für den Bedarf an Informationen und Beratung zur Familienplanung gezogen.

Hier werden erste Zwischenergebnisse vorgestellt, die einen kleinen Ausschnitt aus den vielfältigen Erkenntnismöglichkeiten darstellen. Die Veröffentlichung konzentriert sich auf ungewollte Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche. Ausführliche Ergebnisse zu kinderlosen Frauen, zum Kinderwunsch sowie zu weiteren Aspekten der Familienplanung werden im Abschlussbericht veröffentlicht.

 

Ansatz zur Erklärung, warum und wie ungewollte Schwangerschaften eintreten, akzeptiert oder abgebrochen werden

Die Besonderheit der vorliegenden Studie ist, dass für alle ausgetragenen Schwangerschaften die Gewolltheit erhoben wurde und dass für alle ausgetragenen und abgebrochenen Schwangerschaften in ähnlicher und ausführlicher Weise die Lebensumstände, unter denen sie eingetreten sind, erfasst wurden.(2) Dieser Ansatz ermöglicht es, Erkenntnisse zu gewinnen, was diese Lebenssituationen und Lebensphasen, als Bedingungen für eine Familiengründung oder -erweiterung für das reproduktive Verhalten bedeuten. Gefragt wird zudem, wie Bildung und regionale Herkunft die Bewertung der Lebenssituationen und die Lebensgestaltung beeinflussen.

Um das Eintreten von (ungewollten) Schwangerschaften und deren Ausgang zu erklären, muss ein mehrstufiger Prozess angenommen werden, der vor dem Eintritt der Schwangerschaft beginnt und mit einem Ausgang der Schwangerschaft als Geburt oder Schwangerschaftsabbruch endet. Zur Erfassung dieses Prozesses wurde – sexuelle Kontakte vorausgesetzt – konkret gefragt, ob bzw. wie in spezifischen Lebenssituationen

  • mehr oder weniger inkonsistent verhütet wurde,
  • die eingetretene Schwangerschaft nicht bzw. später gewünscht wurde,
  • die eingetretene Schwangerschaft entweder ausgetragen oder abgebrochen wurde,
  • im Fall einer ausgetragenen Schwangerschaft eine Schwangeren- oder Familienberatung in Anspruch genommen wurde oder nicht.

Die Stationen dieses Prozesses werden von Frauen in Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen, ihrem sozialen Umfeld, den zur Verfügung stehenden Ressourcen etc. bewertet.

 

Hinweise zur Auswertung

Den folgenden schwangerschaftsbezogenen Auswertungen liegt der Datensatz zugrunde, der aus allen berichteten 4.794 (4.427 ausgetragenen und 367 abgebrochenen) Schwangerschaftsfällen gebildet wurde. Hierbei kann eine Frau mit mehreren Schwangerschaften vertreten sein. Demgegenüber liegt den frauenbezogenen Auswertungen der Datensatz der 4.002 Frauen zugrunde.

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Fußnoten
1
Die Ereignisse wie z. B. Geburten, Heiraten oder Schwangerschaftsabbrüche liegen je nach Alter der Befragten mehr oder weniger weit in der Vergangenheit (zwischen 1983 und 2012).
2 Im Unterschied zur Vorgängerstudie "frauen leben 1" wurden Fehl- und Totgeburten in der aktuellen Studie nicht erhoben.