Teilhabechancen an sexueller Bildung von Jugendlichen mit kognitiven Einschränkungen in Sachsen (abstract)
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Teilhabechancen an sexueller Bildung von Jugendlichen mit kognitiven Einschränkungen in Sachsen

Fachtag | Junge Erwachsene mit Beeinträchtigungen - Sexualität, Verhütung, Soziale Beziehungen

Zur Tagungsseite Am 26. Februar 2015 fand in Leipzig ein Fachtag zum Thema Junge Erwachsene mit Beeinträchtigung statt. Anlass war die Vorstellung der Ergebnisse der Studie "Familienplanung bei jungen Erwachsenen mit Behinderungen in Sachsen". Details zur Tagung sind zum Mitlesen online verfügbar. Eine Dokumentation der Tagung wird in einer Print-Version veröffentlicht werden. .

Teilhabechancen an sexueller Bildung von Jugendlichen mit kognitiven Einschränkungen in Sachsen

Im November 2014 startete eine Folgestudie zum Projekt "Jugendsexualität und Behinderung" mit der Zielgruppe Jugendliche mit kognitiven Einschränkungen. Ein Ziel des Projekts ist es, Chancen und Hindernisse für sexuelle Bildung und gelebte Sexualität aus Sicht der Betroffenen und ihres sozialen Umfeldes darzustellen.

Lange Zeit blieb die Sexualität von Menschen mit Behinderungen unberücksichtigt oder wurde von Vorurteilen wie gesteigerter Triebhaftigkeit bzw. Asexualität bestimmt. Junge Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen sind am stärksten Vorbehalten und Ängsten ausgesetzt. Da in vielen Institutionen die Auffassung herrscht, mit dem Angebot an sexueller Bildung "schlafende Hunde zu wecken", reduziert sich das Angebot an Sexualpädagogik auf ein Minimum, meist mit der Konzentration auf die Vermeidung unerwünschter Folgen sexuellen Handelns. Im Ergebnis stehen Menschen mit kognitiven Einschränkungen einer wenig aufgeschlossenen Gesellschaft, überforderten Lehrkräften und sorgenvollen Erziehungsberechtigten gegenüber, wenn es um sexuelle Aufklärung geht. Auf wissenschaftlicher Ebene finden sich auch kaum empirisch fundierte Aussagen zur Sexualität von Menschen mit kognitiven Einschränkungen.

Anliegen des Forschungsprojektes ist die Abbildung der Chancen und Hindernisse für sexuelle Bildung und gelebte Sexualität aus Sicht der Betroffenen und ihres sozialen Umfeldes. Mit Hilfe leitfadengestützter Face-to-Face-Interviews sollen insgesamt 80 Jugendliche im Alter von 14 bis 25 Jahren und deren Hauptbezugspersonen sowie 100 pädagogische Fachkräfte an Förderschulen für Menschen mit kognitiven Einschränkungen per Fragebogen zum Thema Sexualpädagogik bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen befragt werden. Es handelt sich um eine multiperspektivische, qualitative Erhebung. Die Vorgehensweise muss dabei sehr sensibel gestaltet werden und die strukturellen und individuellen Bedingungen berücksichtigen.

Das Projekt verfolgt die Idee der Teilhabeforschung, indem junge Erwachsene mit kognitiven Einschränkungen bei der Gestaltung und Generierung des Erhebungsinstrumentes in Form einer Fokusgruppe zu Rate gezogen werden. Ziel des zweijährigen Projektes ist die Unterstützung sexualpädagogischer Fortbildungsarbeit mit jungen Menschen mit kognitiven Einschränkungen zur Realisierung der Teilhabe an sexueller Bildung.