Das Modellprojekt ReWiKs

Forschung zu Teilhabechancen Erwachsener mit Beeinträchtigungen im Bereich der sexuellen Selbstbestimmung

Das Forschungsprojekt "Reflexion, Wissen, Können – Qualifizierung von Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohner zur Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung für erwachsene Menschen mit Beeinträchtigungen in Wohneinrichtungen (ReWiKs)" entwickelte auf der Grundlage von in der Praxis evaluierten Leitlinien für sexuelle Selbstbestimmung Materialien, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Reflexion des institutionellen Umgangs mit der Thematik anregen und ihnen Fortbildungsmodule und Handlungsempfehlungen für die Praxis zur Verfügung stellen. Um die Bewohner und Bewohnerinnen dabei zu unterstützen, ihre sexuellen Rechte verwirklichen und entsprechende Prozesse in ihren Wohneinrichtungen initiieren zu können, werden Extrakte der Materialen in leichter Sprache erstellt. Alle Materialien werden vor ihrer Publikation in einem intensiven Theorie-Praxis-Dialog evaluiert.

Sexualaufklärung von Menschen mit Beeinträchtigungen

Arbeitsschwerpunkt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Sexualaufklärung von Menschen mit Beeinträchtigungen ist ein Arbeitsschwerpunkt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags zur Sexualaufklärung entwickelt die BZgA Konzepte und Materialien zur Sexualaufklärung. Diese sind jeweils spezifisch auf die Bedarfe unterschiedlicher Zielgruppen abgestimmt. Der gesetzliche Auftrag wird ergänzt durch die Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention, die die Bundesregierung mit dem nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention unterstützt.


Die BZgA fördert seit über zehn Jahren Forschungsprojekte, die sich an Menschen mit Beeinträchtigungen richten. Eines dieser Projekte ist ReWiKs „Reflexion, Wissen, Können – Qualifizierung von Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohnern zur Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung für erwachsene Menschen mit Behinderung in Wohneinrichtungen“.

Zwei Tage Diskussion und Austausch

"Sexualität selbstbestimmt leben in Wohneinrichtungen. Wir wollen. Wir wissen. Wir können."

Am 7. und 8. November 2018 wird in Essen ein vielfältiges Materialpaket zur sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigungen vorgestellt. Dieses Material wurde in vergangenen vier Jahren im von der BZgA geförderten Forschungsprojekt „Reflexion, Wissen, Können – Qualifizierung von Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohnern zur Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung für erwachsene Menschen mit Behinderung in Wohneinrichtungen“ (ReWiKs) entwickelt.

Leitlinien zur sexuellen Selbstbestimmung

von Menschen mit Beeinträchtigungen in Wohneinrichtungen

Die Leitlinien beschreiben eine normative, wissenschaftlich fundierte Zielperspektive und bildeten die inhaltliche Grundlage des gesamten Forschungsprojektes ReWiKs.

Die zehn Leitlinien zur sexuellen Selbstbestimmung in schwerer Sprache und neun Leitlinien in Leichter Sprache wurden in einem zirkulären Diskussionsprozess sowohl mit Mitarbeitenden als auch Bewohnerinnen und Bewohnern aus Einrichtungen der Eingliederungshilfe evaluiert und immer weiter präzisiert.

Erwachsene Menschen mit Behinderung leben ihre Sexualität selbstbestimmt und werden dabei bedarfsorientiert, alters- und entwicklungsgemäß begleitet. Sie sind Expertinnen und Experten für sämtliche Belange ihrer Sexualität.

Erwachsene Menschen mit Behinderung entscheiden selbstbestimmt über Partnerschaft, Ehe, Familie und Elternschaft.

Bewohnerinnen und Bewohner vertreten ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung gegenüber Dritten, wie z. B. Mitarbeitenden der Einrichtungen, Angehörigen und gesetzlichen Betreuenden. Bei Bedarf werden sie dabei unterstützt.

Sexuelle Selbstbestimmung ist ein selbstverständlicher Bestandteil der Einrichtungskultur.

Einrichtungen der Eingliederungshilfe verfügen über strukturelle und personelle Rahmenbedingungen, die die sexuelle Selbstbestimmung sowie eine geschlechtersensible Begleitung und Pflege der Bewohnenden sicherstellen.

Bewohnerinnen und Bewohner können in den Einrichtungen das bedarfsorientierte Angebot individuell ausgestalteter Begleitungen nutzen, um sexuell selbstbestimmt leben zu können.

Einrichtungen der Eingliederungshilfe leisten einen aktiven Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe von Erwachsenen mit Behinderung.

Bewohnerinnen und Bewohner können bedarfsorientiert einschlägige interdisziplinäre Netzwerke zur Realisierung ihrer sexuellen Selbstbestimmung nutzen. Sie haben über verschiedene Wege Zugang zu themenspezifischen Informationen. Die Einrichtungen der Eingliederungshilfe schaffen die dazu notwendigen Voraussetzungen und sind Bestandteil dieser Netzwerke.

Bewohnerinnen und Bewohner sind in Einrichtungen der Eingliederungshilfe vor sexueller Gewalt geschützt.

Mitarbeitende sind in Einrichtungen der Eingliederungshilfe für das „Themenfeld“ der sexuellen Selbstbestimmung erwachsener Menschen mit Behinderung qualifiziert und bilden sich kontinuierlich fort.

Informationen in Leichte Sprache

Jeder Mensch wünscht sich Liebe und Sex.

Menschen mit Behinderungen wünschen sich auch Liebe und Sex.

Jeder Mensch hat ein Recht auf Sexualität.

Das Projektteam

Prof. Dr. Sven Jennessen
Humboldt-Universität zu Berlin

Bereich Reflexion

Prof. Dr. Barbara Ortland
Katholische Hochschule NRW

Bereich Wissen

Prof. Dr. Kathrin Römisch
Evangelische Hochschule Bochum

Bereich Können