Familienplanung in Hamburg

Schwerpunkt: Ungewollte Schwangerschaften

Der Länderbericht „Familienplanung in Hamburg, Schwerpunkt: Ungewollte Schwangerschaften“ beruht auf einer Sonderauswertung der Studie „frauen leben 3 – Familienplanung im Lebenslauf von Frauen“.

Die Studie frauen leben 3 geht der Frage nach, warum es zu ungewollten Schwangerschaften kommt und welche Beweggründe Frauen haben, eine ungewollte Schwangerschaft auszutragen oder abzubrechen. Dabei werden insbesondere sozialstrukturelle und versorgungsbezogene Rahmenbedingungen für Entscheidungen im reproduktiven Lebenslauf analysiert. Die Studie wurde im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bislang in zwölf Bundesländern durchgeführt.

Im Jahr 2018 wurden in Hamburg 1.500 deutschsprachige Frauen im Alter von 20 bis 44 Jahren telefonisch mit einem standardisierten Fragebogen befragt. Die Grundgesamtheit wurde per Zufallsstichproben aus dem Telefonregister gebildet und altersquotiert (Repräsentativität der Altersverteilung). Die Studie wertet Angaben zu zurückliegenden ausgetragenen und abgebrochenen, gewollten und ungewollten Schwangerschaften aus.

Der Länderbericht „Familienplanung in Hamburg“ liefert Erkenntnisse darüber,

  • in welchen Lebensphasen, in welchen Lebenslagen und unter welchen situativen Umständen keine Kinder gewünscht werden,

  • was Frauen über "den richtigen Zeitpunkt im Leben für ein Kind" und über die angemessene Familiengröße denken,

  • warum trotz der Möglichkeit, sicher zu verhüten, eine Schwangerschaft - entgegen den eigenen Vorstellungen - eintreten konnte und

  • wie über das Austragen oder Abbrechen der Schwangerschaft entschieden wurde.

Im Jahr 2018 wurden in Hamburg 1.500 deutschsprachige Frauen im Alter von 20 bis 44 Jahren telefonisch mit einem standardisierten Fragebogen befragt. Die Grundgesamtheit wurde per Zufallsstichproben aus dem Telefonregister gebildet und altersquotiert (Repräsentativität der Altersverteilung).

Die vorliegende Online-Publikation basiert auf dem oben zum Download und zur Bestellung bereitstehenden ausführlichen Forschungsbericht und bildet die wichtigsten Ergebnisse kapitelweise ab.

Einstellungen zu Familie und Erwerbstätigkeit

  • Jede zweite Frau (54,3 %) ist der Meinung, dass man auch ohne Kinder glücklich sein kann, aber mehr als zwei Drittel (68,9%) wollten schon immer Kinder. Von einer großen Mehrheit werden die beruflichen Perspektiven und die eigenständige Absicherung von Frauen für wichtig gehalten. 85,4 % der Frauen stimmen unabhängig von ihrer Bildung der Aussage „Frauen brauchen heute eine eigene finanzielle Absicherung“ zu.

  • Frauen mit hoher Bildung sind etwas erwerbs- und egalitätsorientierter. Frauen mit niedriger Bildung sind etwas familienorientierter und vertreten eher eine “konservativere”, asymmetrische Aufgabenverteilung in der Partnerschaft.

  • Mehr als jede zweite Frau (55,2 %) hält es für ideal, in der Kleinkindphase die Erwerbstätigkeit zu reduzieren. 10,8 % sehen in dieser Phase die Vollzeiterwerbstätigkeit als ideal an. Beide Erwerbsmodelle von Müttern sind akzeptiert. Die Mehrheit der Frauen ist der Meinung, dass Väter kleinerer Kinder ihre Erwerbstätigkeit nicht reduzieren sollten. Jedoch ist der Anteil derjenigen, die eine Reduzierung der Arbeitszeit von Vätern befürworten, in Hamburg im Ländervergleich mit 25,2 % am höchsten.

  • Die Einstellung zu Familie und Erwerbstätigkeit ist überwiegend von der Bildung abhängig. Die Berufsorientierung ist bei niedrig qualifizierten Frauen am geringsten ausgeprägt. Je niedriger die Qualifikation, desto ausgeprägter ist die Kinderorientierung.

Vereinbarung von Beruf und Familie

  • Zwei Drittel (64,3 %) der Befragten stimmen der Aussage zu „Den richtigen Zeitpunkt für ein Kind gibt es nie“. Dies lässt sich als Ausdruck der Schwierigkeiten der Familien- und Lebensplanung verstehen, die sich aus der Doppelorientierung an Beruf und Familie ergeben.

  • Die Vereinbarung von Beruf und Familie soll überwiegend durch eine Reduzierung der Erwerbstätigkeit seitens der Mutter erreicht werden.

  • Weniger als ein Viertel vertritt eine strikte Aufgabenteilung in der Familie. 21,3 % der Frauen sind der Meinung, dass der Mann Alleinernährer sein sollte. 13,5 % finden, dass die Erziehung der Kinder leidet, selbst wenn die Mutter nur Teilzeit arbeitet. Diese eher konservativen Haltungen zur Aufgabenteilung in der Familie sind bei niedrig qualifizierten Befragten deutlich verbreiteter.

Familie im Lebenslauf

  • In Hamburg bekamen die Frauen ihr erstes Kind im vergleichsweise hohen durchschnittlichen Alter von 29,1 Jahren.

  • Überdurchschnittlich viele Hamburger Frauen (27,0 % ) über 34 Jahre haben keine Kinder. Etwa ein Drittel (34,5 % ) hat zwei Kinder, ein Viertel ein Kind. Frauen mit höherer oder hoher Qualifikation haben seltener drei oder mehr Kinder verglichen mit Frauen mit niedriger oder mittlerer Bildung.

  • Je jünger die Mütter bei der ersten Geburt waren, desto niedriger ist ihre aktuelle Qualifikation und desto schlechter ist ihre aktuelle finanzielle Situation. Es bleibt dabei offen, ob die niedrige Bildung und das niedrige Einkommen Ursache oder Folge früher Mutterschaft war.

  • Finanziell am besten gestellt sind Verheiratete mit oder ohne Kind. Alleinerziehende Mütter bewerten ihre finanzielle Situation am häufigsten als negativ.

  • Mit zunehmender Bildung wird der Übergang in die Elternschaft in ein höheres Lebensalter aufgeschoben. Bei einer niedrigen Bildung waren 88,1 % der Frauen im Alter von 30 Jahren schon Mutter. Weniger als die Hälfte aller Frauen mit sehr hoher Bildung bekamen das erste Kind im Alter von unter 30 Jahren.
  • Eine frühe Mutterschaft mindert möglicherweise die Chancen auf eine qualifizierte Erwerbstätigkeit. Jedenfalls wird die aktuelle finanzielle Situation von Müttern, die ihr erstes Kind mit unter 25 Jahren bekommen hatten, wesentlich häufiger als negativ bewertet als von Frauen, die ihr erstes Kind später geboren haben.

Vergleich der Lebensformen nach Alter

  • 56,2 % der Frauen in Hamburg sind alleinstehend oder leben in nichtehelichen Lebensformen (nichteheliches Zusammenleben oder Leben ohne Partner). Ein Viertel der Hamburgerinnen ist Single. Diese Werte liegen in den Stadtstaaten deutlich höher als in den Flächenländern und hängen mit urbanen Lebensstilen zusammen. Die konventionellen Lebensformen sind in höherem Alter häufiger: In der älteren Generation ist etwa die Hälfte aller Frauen (52,8 % ) verheiratet und hat Kinder. Dies gilt nur für 20,1 % der Frauen unter 35 Jahre .

Lebensformen - subjektive Einschätzung der finanziellen Situation

  • Alleinerziehende Mütter beurteilen ihre finanzielle Situation am häufigsten als schlecht (29,7 % ) und am seltensten als (sehr) gut (35,9 % ) verglichen mit Frauen in anderen Lebensformen. Ein besonders hoher Anteil der verheirateten Frauen ohne Kind bewerten ihre finanzielle Situation als (sehr) gut. Allerdings schätzen auch verheiratete Frauen mit Kind ihre Situation häufig als (sehr) gut ein.

  • Ungeachtet der Lebensform ist die subjektive Einschätzung der finanziellen Situation von Müttern unabhängig von der Kinderzahl bzw. die Kinderzahl unabhängig von der finanziellen Situation.

Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit in der Partnerschaft

  • 44,4 % der Mütter von Kindern unter elf Jahren sind Teilzeit beschäftigt und 29,8 % nicht erwerbstätig. Die Partner arbeiten in der Regel Vollzeit. Eine negative finanzielle Lage geht bei Müttern mit einem eingeschränkten Erwerbsumfang einher.

  • Kinderlose Paare sind häufiger egalitär in der Aufteilung der Hausarbeit verglichen mit Partnerschaften mit (kleinen) Kindern. Es gibt dabei keine Unterschiede nach Bildung oder finanzieller Situation der Befragten.

Erwerbsumfang in der Partnerschaft

  • Die Mütter von Kindern unter elf Jahren sind überwiegend nicht erwerbstätig oder maximal Teilzeit beschäftigt (gesamt 78,9 % ). Ihre Partner arbeiten in der Regel Vollzeit (87,9 % ). Diese Asymmetrie ist in den anderen im Rahmen der Studie untersuchten westdeutschen Flächenstaaten noch stärker ausgeprägt.

Aufgabenteilung in der Partnerschaft

  • In den festen Partnerschaften kinderloser Frauen sind zu 66,2 % beide Partner gleichermaßen für den Haushalt zuständig. Ist mindestens ein Kind unter elf Jahren zu versorgen, fällt der Haushalt und die Kindererziehung mehrheitlich in die Zuständigkeit der Frau (58,7 % ). In 39,8 % sind beide Elternteile gleichermaßen für die Hausarbeit verantwortlich.

  • Die Aufteilung der Hausarbeit in Hamburg, wenn keine Kinder vorhanden sind, entspricht in etwa der Praxis in den anderen Stadtstaaten und den neuen Bundesländern. Wenn Kinder unter 11 Jahren zu versorgen sind, liegt Hamburg im Mittelfeld aller Bundesländer, was die Verbreitung einer gemeinsamen Verantwortung für den Haushalt und die Kindererziehung angeht.

Kinderwunsch und Gründe gegen (weitere) Kinder

  • 16 % der kinderlosen Frauen spricht sich gegen Kinder aus. Unter den 20- bis 24-Jährigen wollen nur 7 % keine Kinder. Der Anteil steigt mit zunehmenden Alter. Unter den über 34-Jährigen wollen 38,2 % keine Kinder.
  • Die große Mehrheit der Mütter, die bereits zwei bzw. drei oder mehr Kinder haben, hat die Familienplanung abgeschlossen (71,5 % bzw. 78,6 % ) und möchte keine weiteren Kinder. Bei den Müttern mit einem Kind fällt dieser Anteil deutlich niedriger aus.

  • Knapp jede dritte Mutter, die ein Kind hat, möchte keine weiteren Kinder.

Ideal vs. Realität?

Bekannt ist, dass überwiegend zwei Kinder als ideale Familiengröße angesehen werden. Weniger als die Hälfte der über 34-jährigen Mütter mit einem Kind möchte keine weiteren Kinder (45,0 % ). Bei den jüngeren Müttern sind es nur 15,5 %.

Aus welchen Gründen entscheiden sich Mütter mit einem Kind entgegen dem Ideal gegen ein zweites Kind?

  • Gründe gegen ein zweites Kind sind neben dem Alter eine Erwerbstätigkeit im Umfang von 15 Stunden oder mehr in der Woche.

  • Hauptgründe für eine unentschiedene oder ablehnende Haltung gegenüber (weiteren) Kindern sind
    – bei jüngeren, kinderlosen Frauen vor allem eine fehlende berufliche und finanzielle Konsolidierung und eine schwierige Partnerschaftssituation,
    – bei Müttern mit einem Kind die berufliche und finanzielle Unsicherheit, sowie das Alter, und
    – bei den Müttern mit zwei oder mehr Kindern die abgeschlossene Familienplanung und zusätzlich das Alter.

Ungewollte Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche

Hinweis: Die Studie nutzt die in der internationalen Forschung übliche Unterteilung in “gewollt” und “unbeabsichtigt”: Als “gewollt” werden Schwangerschaften bezeichnet, wenn auch der Zeitpunkt gewollt war. Als “unbeabsichtigt” gelten Schwangerschaften, die “gewollt, aber zu früh” oder “ungewollt” waren. Hierin enthalten sind auch Schwangerschaften von Müttern mit zwiespältiger oder unentschiedener Haltung.

  • 20,6 % der befragten Frauen waren mindestens einmal im Leben unbeabsichtigt schwanger. Das ist ein im Bundesvergleich niedriger Wert.

  • Explizit ungewollte Schwangerschaften werden von 12,7 % der Frauen berichtet.

  • 15,9 % aller Befragten haben eine Abbrucherfahrung.

Gewollt oder unbeabsichtigt?

Abbildung 13, Seite 26
sollte zum besseren Verständnis der Begriffe “Gewollt, unbeabsichtigt …” eingesetzt werden

  • Ein knappes Drittel (31,0 % ) aller im Leben der Befragten eingetretenen Schwangerschaften war unbeabsichtigt. 17,6 % davon waren explizit ungewollt. 62,1 % der ungewollt eingetretenen Schwangerschaften wurden abgebrochen.

Ungewollt, aber freudig begrüßt

  • Auch eine ungewollt eingetretene Schwangerschaft, die ausgetragen wurde, kann ein positives Ereignis und das geborene Kind (nachträglich) gewollt sein.

Lebensumstände ungewollter und abgebrochener Schwangerschaften

Hinweis: In der Studie “frauen leben 3” wurden für alle Schwangerschaften Informationen zu der Lebenssituation erfragt, in der die Schwangerschaft eingetreten war. So lässt sich berechnen, in welchen Lebenssituationen der Anteil ungewollter an den eingetretenen Schwangerschaften erhöht ist. Ebenfalls wird festgestellt, unter welchen Bedingungen der Anteil der abgebrochenen an allen ungewollten Schwangerschaften erhöht ist. Dies besagt vor allem etwas darüber, welche Situationen als ungünstig dafür gelten, ein Kind zu bekommen. Aufgrund der kleinen Fallzahl der Abbrüche können hier nur die häufig genannten Situationsmerkmale und die Hauptgründe für einen Schwangerschaftsabbruch berichtet werden. Hier wird auf die erste Phase der Studie “frauen leben 3” verwiesen, da in dem größeren Datensatz weiter differenziert werden kann.

#ev. Link zur Publikation

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwangerschaft ungewollt war, ist abhängig vom Alter und von der Lebenssituation bei dem Eintritt der Schwangerschaft.

  • Die zwei häufigsten Gründe, eine ungewollte Schwangerschaft abzubrechen, sind fehlende partnerschaftliche Konsolidierung, gefolgt von beruflicher oder finanzieller Unsicherheit.

Altersbezogene Aspekte

  • Bis zum Alter von 34 Jahren nimmt der Anteil an auf den Zeitpunkt hin gewollten Schwangerschaften kontinuierlich zu. Der Anteil an unbeabsichtigten Schwangerschaften nimmt entsprechend ab.

  • Bei “späten” Schwangerschaften liegt der Anteil ungewollter Schwangerschaften bei 11,9 %.

  • Hervorzuheben sind Schwangerschaften im jungen Alter von unter 20 Jahren: Etwas mehr als die Hälfte der Teenagerschaften war ungewollt. Nur ca. ein Fünftel der Schwangerschaften war zum Zeitpunkt hin gewollt.

  • Die Betrachtung, wann im Leben Schwangerschaften abgebrochen wurden, lässt sich so zusammenfassen: Mit einem Schwangerschaftsabbruch wird die Familiengründung aufgeschoben oder die Familiengröße begrenzt. Eine ungewollte Schwangerschaft über das zweite Kind hinaus wird durchaus akzeptiert.

Partnerschaftssituation

  • Schwangerschaften in einer schwierigen Partnerschaftssituation oder ohne festen Partner waren häufiger (zu 44 % ) ungewollt eingetreten als Schwangerschaften in einer stabilen Partnerschaft (9,4% ).

  • Zudem entschieden sich Frauen in einer schwierigen Partnerschaft deutlich häufiger für den Abbruch der ungewollten Schwangerschaft (66,9 % ). Bei den Frauen in einer stabilen Partnerschaft sind es im Vergleich 55,2 %.

Berufliche und finanzielle Unsicherheit

  • Schwangerschaften, die in beruflicher oder finanzieller Unsicherheit eingetreten sind, waren mit 38,4 % deutlich häufiger ungewollt als Schwangerschaften in einer sicheren Situation (11,9 % ).

  • Bei beruflicher und finanzieller Unsicherheit liegt der Anteil der abgebrochenen an allen ungewollten Schwangerschaften bei 70,6 %. Zum Vergleich: Befanden sich die befragten Frauen in einer beruflich und finanziell sicheren Position wurden nur 54,4, % der ungewollten Schwangerschaften abgebrochen.

Unzureichende Wohnsituation

  • Schwangerschaften in unzureichender Wohnsituation waren doppelt so häufig ungewollt (33,1 % ), als wenn sich die Frauen in einer ausreichenden Wohnsituation befanden (14,2 % ). 69 % der ungewollten Schwangerschaften in mangelhafter Wohnsituation wurden abgebrochen. In ausreichender Wohnsituation sind es 57,5 %. Der Unterschied ist allerdings statistisch nicht signifikant.

Ausbildung und Studium

  • Ein Drittel der während Ausbildung oder Studium eingetretenen Schwangerschaften waren ungewollt. 74,7 % dieser Schwangerschaften wurden abgebrochen.

Abgeschlossene Familienplanung

  • Schwangerschaften, die nach dem Abschluss der Familienplanung eingetreten waren, waren zu 88,1 % ungewollt. Jedoch werden nur 40,7 % dieser Schwangerschaften abgebrochen. Wenn die Familienplanung noch nicht abgeschlossen war, sind es 67 %.

  • Schwangerschaften nach dem zweiten Kind waren mit 34,6 % am häufigsten ungewollt eingetreten. Sie wurden aber zu einem höheren Anteil ausgetragen als Schwangerschaften von Müttern mit weniger Kindern.

Weitere belastende Situationen

Schwangerschaften sind überdurchschnittlich häufig ungewollt, wenn folgende Merkmale zutreffen:
– “Beruf und Berufspläne schwer vereinbar”,
– “allgemeine Überforderung und Erschöpfung”,
– “sehr beansprucht durch Kinderbetreuung und Pflege” und
– “gesundheitliche Bedenken oder Probleme das ungeborene Kind betreffend”.

Hauptgründe für die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch

Hinweis: Die Lebenssituationen bei Eintreten der Schwangerschaft wurden auf ihren statistischen Einfluss auf die Gewolltheit und den Ausgang der Schwangerschaft hin geprüft. Sie müssen aber nicht von den Befragten selbst in einen ursächlichen Zusammenhang mit dem Schwangerschaftsgeschehen gesetzt werden. Daher wurde gesondert nach den Hauptgründen für den Abbruch gefragt.

  • Eine schwierige Partnerschaft wurde bei jeder dritten Schwangerschaft als Hauptgrund für einen Abbruch genannt. Es folgen berufliche oder finanzielle Unsicherheiten mit 21,4 %. 15,1 % geben gesundheitliche Probleme oder Bedenken das Kind betreffend an. Weitere Gründe sind altersbezogen: “in Ausbildung oder Studium” (15,7 % ) oder “zu jung, unreif” (18,9 % ). Gesundheitliche Bedenken oder Probleme die Mutter betreffend werden von 6,9 % der Befragten als Hauptgrund für die Entscheidung zum Abbruch genannt.

Verhütung

  • 73,9 % der Frauen in Hamburg, die Angaben zu ihrem Verhütungsverhalten machen, wenden aktuell Verhütungsmethoden an.
  • In Hamburg ist das am häufigsten angewendete Verhütungsmittel das Kondom, gefolgt von Pille und Spirale. Vor allem in der Altersgruppe ab 25 Jahre wird häufig mit Kondom verhütet.

  • Die Pille verliert und die Spirale gewinnt mit zunehmendem Alter der Frauen an Bedeutung.

  • 31,1 % der Frauen in Hamburg haben in ihrem Leben bereits mindestens einmal Erfahrung mit der “Pille danach” gemacht.

  • Sozialleistungsbezieherinnen bzw. Frauen mit einer negativ eingeschätzten finanziellen Lage nutzen nicht signifikant seltener die mit höheren Kosten verbundene Pille oder Spirale und nicht signifikant häufiger Kondome.

Der “nicht gedeckte Verhütungsbedarf”

  • Etwa 5,5 % der Frauen verhüten nicht, obwohl sie keinen Kinderwunsch haben.

Kosten als Barriere für Verhütung?

  • 5 % der Befragten hat mindestens einmal aus Kostengründen auf die Verhütung mit Pille oder Spirale verzichtet.

  • Dies ist umso häufiger der Fall, je schlechter die aktuelle finanzielle Situation der Befragten ist.

  • 40,3 % der Frauen, die aktuell staatliche Unterstützungsleistungen beziehen, hat schon einmal aus Kostengründen auf Pille und Spirale verzichtet. Bei denen, die ihre finanzielle Situation als (sehr) gut bezeichnen, sind es nur 5,4 %.

  • Ein Viertel der Frauen der niedrigsten Bildungsgruppe hat schon ein- oder mehrmals aus Kostengründen auf Verhütung mit Pille oder Spirale verzichtet.

Wechsel der Verhütungsmethode bei Kostenfreiheit

Abbildung 23 fehlt

  • Frauen mit negativer finanzieller Lage, v.a. mit Sozialleistungsbezug, würden häufiger die Verhütungsmethode wechseln, wenn Verhütung kostenlos wäre.

Wechsel zur Verhütung bei Kostenfreiheit

  • Befragt wurden Frauen, die aktuell nicht verhüten und weder schwanger sind noch einen Kinderwunsch haben oder in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben:

  • 58,8 % der Sozialleistungsbezieherinnen sagen, dass sie bei Kostenfreiheit mit Verhütung beginnen würden. Dies gilt für zwei Drittel (66,7 % ) der Frauen in einer schlechten finanziellen Lage ohne Sozialleistungsbezug.

  • Sozialleistungsbezieherinnen wurden danach gefragt, ob sie wissen, dass in ihrer Kommune bei geringem Einkommen die Kosten für Verhütung übernommen werden. 75,9 % der Befragten hatten darüber keine Kenntnis.

  • Der Gesamtdatensatz der Phase 3 der Studie “frauen leben 3” lässt aufgrund höherer Fallzahlen tiefergehende Auswertung zu. Es zeigt sich, dass Frauen mit wenig Geld und/oder Sozialleistungsbezug zwar durch die Kosten nicht abgehalten werden zu verhüten. Sie sind aber häufiger unzufrieden mit den ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und gehen Kompromisse ein, die in ein riskantes Verhütungsverhalten münden können. Programme zur kostenfreien Abgabe von Verhütungsmitteln sind eine wichtige Maßnahme, sowohl um einen Zugang zur Verhütung der Wahl zu ermöglichen, als auch im Zusammenhang mit der Prävention unbeabsichtigter bzw. ungewollter Schwangerschaften.

Bilanz im Ländervergleich

Hamburg zeigt im Bundesländervergleich typische Merkmale eines Stadtstaates mit urbanem Lebensstil. Auch die Hamburger Bevölkerung mit vielen jungen, hochgebildeten Frauen trägt zu Besonderheiten in den Ergebnissen bei.

  • In Hamburg ist die Kinderorientierung im Vergleich zu den westlichen Flächenstaaten und den östlichen Bundesländern geringer ausgeprägt. Dies entspricht dem Muster, das auch für Berlin, einen zweiten untersuchten Stadtstaat, beschrieben wird.

  • Die weniger stark ausgeprägte Kinderorientierung spiegelt sich in der Praxis der Familienbildung wieder: Vergleichsweise viele junge Frauen in Hamburg sind kinderlos. Das Durchschnittsalter bei der ersten Geburt ist vergleichsweise hoch. Vor allem Akademikerinnen werden erst später Mütter.

  • Dem urbanen Muster entsprechend, für das auch Berlin steht, ist die Erwerbsorientierung höher.

  • Die Einstellungen und Praktiken in den Partnerschaften sind in Hamburg wie in den anderen Stadtstaaten egalitärer als in den (westlichen) Flächenstaaten.

  • In Hamburg sind, wie in Berlin, nichteheliche Geburten, Leben ohne Partner und nichteheliche Lebensformen häufiger als in den Flächenstaaten. Verbreitet sind diese Lebensformen vor allem bei kinderlosen Frauen, die in Hamburg einen großen Teil der Stichprobe ausmachen.

  • Der Anteil an unbeabsichtigten Schwangerschaften ist in Hamburg Mittelmaß. Bezogen auf den Anteil der ungewollten Schwangerschaften folgt Hamburg mit 17,6 % direkt auf Berlin (25,6 % ) und liegt vor den neuen Bundesländern.

  • Im Ländervergleich liegt der Anteil abgebrochener Schwangerschaften am zweithöchsten nach Berlin.