ReWiKs - Reflexion, Wissen, Können

Projektergebnisse nachhaltig implementieren

ReWiKs - Sexuelle Selbstbestimmung und Behinderung – Reflexion, Wissen, Können als Bausteine für Veränderungen

Im Juni 2019 startete die zweite Förderphase von ReWiKs "Reflexion, Wissen, Können – Qualifizierung von Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohner zur Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung für erwachsene Menschen mit Beeinträchtigungen in Wohneinrichtungen". Ziel ist es, die Materialien und Erkenntnisse aus dem ReWiKs-Projekt bundesweit zu verbreiten und nachhaltig zu implementieren.

Das Modellprojekt ReWiKs

Forschung zu Teilhabechancen Erwachsener mit Beeinträchtigungen im Bereich der sexuellen Selbstbestimmung

Das Forschungsprojekt "Reflexion, Wissen, Können – Qualifizierung von Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohner zur Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung für erwachsene Menschen mit Beeinträchtigungen in Wohneinrichtungen (ReWiKs)" entwickelte auf der Grundlage von in der Praxis evaluierten Leitlinien für sexuelle Selbstbestimmung Materialien, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Reflexion des institutionellen Umgangs mit der Thematik anregen und ihnen Fortbildungsmodule und Handlungsempfehlungen für die Praxis zur Verfügung stellen. Um die Bewohner und Bewohnerinnen dabei zu unterstützen, ihre sexuellen Rechte verwirklichen und entsprechende Prozesse in ihren Wohneinrichtungen initiieren zu können, werden Extrakte der Materialen in leichter Sprache erstellt. Alle Materialien werden vor ihrer Publikation in einem intensiven Theorie-Praxis-Dialog evaluiert.

Sexualaufklärung von Menschen mit Beeinträchtigungen

Arbeitsschwerpunkt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Sexualaufklärung von Menschen mit Beeinträchtigungen ist ein Arbeitsschwerpunkt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags zur Sexualaufklärung entwickelt die BZgA Konzepte und Materialien zur Sexualaufklärung. Diese sind jeweils spezifisch auf die Bedarfe unterschiedlicher Zielgruppen abgestimmt. Der gesetzliche Auftrag wird ergänzt durch die Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention, die die Bundesregierung mit dem nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention unterstützt.


Die BZgA fördert seit über zehn Jahren Forschungsprojekte, die sich an Menschen mit Beeinträchtigungen richten. Eines dieser Projekte ist ReWiKs „Reflexion, Wissen, Können – Qualifizierung von Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohnern zur Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung für erwachsene Menschen mit Behinderung in Wohneinrichtungen“.

Zwei Tage Diskussion und Austausch

"Sexualität selbstbestimmt leben in Wohneinrichtungen. Wir wollen. Wir wissen. Wir können."

Am 7. und 8. November 2018 wurde in Essen ein vielfältiges Materialpaket zur sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigungen vorgestellt. Dieses Material wurde in den vergangenen vier Jahren von der BZgA geförderten Forschungsprojekt „Reflexion, Wissen, Können – Qualifizierung von Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohnern zur Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung für erwachsene Menschen mit Behinderung in Wohneinrichtungen“ (ReWiKs) entwickelt.

Leitlinien zur sexuellen Selbstbestimmung

von Menschen mit Beeinträchtigungen in Wohneinrichtungen

Die Leitlinien beschreiben eine normative, wissenschaftlich fundierte Zielperspektive und bildeten die inhaltliche Grundlage des gesamten Forschungsprojektes ReWiKs.

Die zehn Leitlinien zur sexuellen Selbstbestimmung in schwerer Sprache und neun Leitlinien in Leichter Sprache wurden in einem zirkulären Diskussionsprozess sowohl mit Mitarbeitenden als auch Bewohnerinnen und Bewohnern aus Einrichtungen der Eingliederungshilfe evaluiert und immer weiter präzisiert.

Erwachsene Menschen mit Behinderungen leben ihre Sexualität selbstbestimmt und werden dabei bedarfsorientiert, alters- und entwicklungsgemäß begleitet. Sie sind Expertinnen und Experten für sämtliche Belange ihrer Sexualität.

 

Alle Menschen haben das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. In Wohneinrichtungen werden unter Beteiligung der Bewohnerinnen, Bewohner und Mitarbeitenden die notwendigen Bedingungen geschaffen, die für die Umsetzung dieses Rechts notwendig sind. Eine Begleitung der Bewohnerinnen und Bewohner erfolgt individuell abgestimmt auf die von ihnen benannten oder ggf. bei eingeschränkter Mitteilungsfähigkeit bei ihnen vermuteten Bedarfe. Leitend sind die Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner selbst. Sexuelle Selbstbestimmung ist begrenzt durch das Recht auf Unversehrtheit anderer.

 

Erwachsene Menschen mit Behinderungen entscheiden selbstbestimmt über Partnerschaft, Ehe, Familie und Elternschaft.

 

Bewohnerinnen und Bewohner kennen ihre Rechte in Bezug auf Partnerschaft, Ehe, Familie und Elternschaft und treffen in diesen Bereichen selbstbestimmt Entscheidungen. Mitarbeitende und Einrichtungsleitung schaffen die Bedingungen für eine ergebnisoffene Beratung und Aufklärung bei Fragen zu Fortpflanzung, Verhütung und Familienplanung. In den Wohneinrichtungen werden die Bewohnerinnen und Bewohner über die Möglichkeit der Elternschaft informiert. Sie werden ggf. bei der Umsetzung dieser an dem Ort unterstützt, der den Wünschen und Bedarfen der Eltern und Kinder gerecht wird. Zudem ermöglichen räumliche und personelle Rahmenbedingungen das Leben als Paar oder Familie.

 

Bewohnerinnen und Bewohner vertreten ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung gegenüber Dritten, wie z. B. Mitarbeitenden der Einrichtungen, Angehörigen und rechtlichen Betreuerinnen und Betreuern. Bei Bedarf werden sie dabei unterstützt.

 

Bewohnerinnen und Bewohner realisieren ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Nicht alle sind in der Lage, ihre Wünsche und Bedarfe in Bezug auf die individuelle sexuelle Selbstbestimmung gegenüber Dritten (z. B. Mitarbeitenden und Einrichtungsleitung der Wohneinrichtung, Kostenträgern, Angehörigen, rechtlichen Betreuerinnen und Betreuern) zu vertreten. In diesen Fällen handeln Mitarbeitende im Auftrag sowie gemäß den Wünschen der Bewohnerinnen und Bewohner und unterstützen diese dabei – wenn nötig auch gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen in der Wohneinrichtung. Im Einverständnis der Bewohnerinnen und Bewohner stärken bzw. vertreten Mitarbeitende deren Position auch dann, wenn ihre Angehörige bzw. rechtliche Betreuerinnen und Betreuer Schwierigkeiten haben, die Sexualität der Bewohnerinnen und Bewohner anzuerkennen oder in deren Realisierung zu unterstützen. Sie suchen aktiv das Gespräch mit den Angehörigen und rechtlichen Betreuerinnen und Betreuern und setzen sich mit ihnen auch über unterschiedliche Vorstellungen auseinander.

 

Sexuelle Selbstbestimmung ist ein selbstverständlicher Bestandteil der Einrichtungskultur.

 

Alle Bewohnerinnen, Bewohner und Mitarbeitende auf allen Hierarchieebenen tragen dazu bei, dass eine positive und reflektierte Grundhaltung in Bezug auf sexuelle Selbstbestimmung die Arbeit und das Leben in der Wohneinrichtung trägt. Alle im Team fühlen sich verantwortlich für die Realisierung von Möglichkeiten der sexuellen Selbstbestimmung und deren Schutz. Sie entwickeln eine offene Gesprächskultur und nehmen sich in angemessener Weise Zeit für den Austausch über sexuelle Fragen. Sie verstehen das Thema auch als einen Teil der Öffentlichkeitsarbeit und definieren es als ihre politische Aufgabe.

 

Einrichtungen der Eingliederungshilfe verfügen über strukturelle und personelle Rahmenbedingungen, die die sexuelle Selbstbestimmung sowie eine geschlechtersensible Assistenz und Pflege der Bewohnerinnen und Bewohner sicherstellen.

 

In den Einrichtungen besteht Konsens, dass die Realisierung sexueller Selbstbestimmung eine gendersensible und Intimität wahrende Haltung sowie deren praktische Umsetzung in der Assistenz und Pflege der Bewohnerinnen und Bewohner beinhaltet. Auf allen Hierarchieebenen sind die Mitarbeitenden dafür verantwortlich, die Personalsituation so zu gestalten, dass dies realisiert werden kann. Bewohnerinnen und Bewohner sind für das Einbringen ihrer Wünsche verantwortlich. Zudem werden strukturelle Bedingungen realisiert, die zur Wahrung der Privat- und Intimsphäre beitragen (z.B. durch die Gestaltung adäquater Räumlichkeiten).

 

Bewohnerinnen und Bewohner können in den Einrichtungen das bedarfsorientierte Angebot individuell ausgestalteter Assistenz und Begleitung nutzen, um sexuell selbstbestimmt leben zu können.

 

Bewohnerinnen und Bewohner entscheiden über ihren individuellen Assistenz- und Begleitungsbedarf. Mitarbeitende sind fachlich in der Lage, zwischen den verschiedenen Bedarfen in der Assistenz und Begleitung der Bewohnerinnen und Bewohner zu differenzieren und demgemäß zu handeln: Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten sind häufiger als andere auf Personen angewiesen, die sie gut kennen und die ihre Ausdrucksformen zuverlässig entschlüsseln können. Andere Bewohnerinnen und Bewohner brauchen vertraute Mitarbeitende, mit denen sie über private und intime Themen sprechen können. Wiederum andere Bewohnerinnen und Bewohner wünschen sich den Austausch mit weniger bekannten Personen (z. B. aus Beratungsstellen), um Themen der sexuellen Selbstbestimmung zu kommunizieren. Die Mitarbeitenden haben die Verschiedenheit der Bedarfe im Blick und bieten individuelle Assistenz und Begleitung an.

 

Einrichtungen der Eingliederungshilfe leisten einen aktiven Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe von Erwachsenen mit Behinderungen.

 

Die Bewohnerinnen und Bewohner einer Einrichtung haben über unterschiedliche Wege innerhalb und außerhalb der Institution verschiedene Möglichkeiten des Kennenlernens einer Partnerin oder eines Partners. Zur Realisierung von (Sexual-)Kontakten begegnen Bewohnerinnen und Bewohner anderen Menschen mit und ohne Behinderungen auch außerhalb der Einrichtung in verschiedenen Kontexten (Bildung, Freizeit etc.). Mitarbeitende unterstützen die Bewohnerinnen und Bewohner bei Bedarf. In den Einrichtungen wird für die strukturell notwendigen Voraussetzungen gesorgt.

 

Einrichtungen der Eingliederungshilfe leisten einen aktiven Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe von Erwachsenen mit Behinderungen.

 

Die Bewohnerinnen und Bewohner einer Einrichtung haben über unterschiedliche Wege innerhalb und außerhalb der Institution verschiedene Möglichkeiten des Kennenlernens einer Partnerin oder eines Partners. Zur Realisierung von (Sexual-)Kontakten begegnen Bewohnerinnen und Bewohner anderen Menschen mit und ohne Behinderungen auch außerhalb der Einrichtung in verschiedenen Kontexten (Bildung, Freizeit etc.). Mitarbeitende unterstützen die Bewohnerinnen und Bewohner bei Bedarf. In den Einrichtungen wird für die strukturell notwendigen Voraussetzungen gesorgt.

 

Bewohnerinnen und Bewohner sind in Einrichtungen der Eingliederungshilfe vor sexualisierter Gewalt geschützt.

 

Alle Mitarbeitenden wissen um die deutliche Gefährdung der Bewohnerinnen und Bewohner in Bezug auf sexualisierte Gewalt durch verschiedene Täterinnen und Täter (z. B. Mitarbeitende, Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige, Fremde). In den Einrichtungen gibt es ein einrichtungsspezifisches Schutzkonzept in Bezug auf sexualisierte Gewalt.

 

Mitarbeitende in Einrichtungen der Eingliederungshilfe sind für das Themenfeld der sexuellen Selbstbestimmung erwachsener Menschen mit Behinderungen qualifiziert und bilden sich kontinuierlich fort.

 

Das Wissen um lebenslange sexuelle Entwicklung allgemein und mögliche Besonderheiten bei Menschen mit verschiedenen Formen von Behinderungen ist bei allen Mitarbeitenden vorhanden. Auf dieser Grundlage ist eine fachlich qualifizierte und reflektierte Begleitung, Assistenz, Beratung und Information gewährleistet. Hierzu gehören die Wissensvermittlung, der Abbau von Vorurteilen und die Reflexion eigener Haltungen gegenüber vielfältigen sexuellen Identitäten und Orientierungen (z. B. Hetero-, Homo-, Bi-, Inter- und Transsexualität). Die Themenvielfalt im Bereich Sexualität ist sowohl in der Ausbildung der Mitarbeitenden, aber vor allem handlungsfeldspezifisch in der Fort- und Weiterbildung fest verankert.

 

Informationen in Leichte Sprache

Jeder Mensch wünscht sich Liebe und Sex.

Menschen mit Behinderungen wünschen sich auch Liebe und Sex.

Jeder Mensch hat ein Recht auf Sexualität.

  • DAS PROJEKT REWIKS IN LEICHTE SPRACHE

Das Projektteam

Prof. Dr. Sven Jennessen
Humboldt-Universität zu Berlin

Bereich Reflexion

Prof. Dr. Barbara Ortland
Katholische Hochschule NRW

Bereich Wissen

Prof. Dr. Kathrin Römisch
Evangelische Hochschule Bochum

Bereich Können