Studie
frauen leben 3: Familienplanung von 20- bis 44-jährigen Frauen – Schwerpunkt: ungewollte Schwangerschaften und Schwangerschaftskonflikte - erste Befragungsrunde

Im Juli 2011 startete das Forschungsprojekt frauen leben 3. Ziel ist es die Datenlage zum Familienplanungsverhalten von 20- bis 44-jährigen Frauen zu aktualisieren. Im Fokus der Untersuchung stehen ungewollte Schwangerschaften und die Gründe diese auszutragen oder abzubrechen. Neu an der Studie frauen leben 3 ist, dass sie auch ein stärkeres Augenmerk auf sozialstrukturelle und versorgungsbezogene Rahmenbedingungen für Entscheidungen im reproduktiven Lebenslauf richtet.

Etwa ein Drittel aller Schwangerschaften im Leben von Frauen war nicht auf den Zeitpunkt hin geplant, zu dem sie eintraten. Bei einem Teil dieser Schwangerschaften gab es durchaus einen Wunsch nach Kindern, aber die Schwangerschaft trat früher als gewollt ein, bei anderen wurde kein Kind gewünscht. Obwohl Schwangerschaften zu einem falschen (zu frühen) Zeitpunkt oder ohne einen Kinderwunsch also keineswegs selten sind, liegen bislang für Deutschland kaum aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Hintergründen vor, zum Beispiel zu der Frage, welche Rolle unzureichende Verhütung dabei spielt. Auch über die Gründe, eine ungewollte Schwangerschaft auszutragen oder abzubrechen, ist wenig bekannt.

Ziel der Studie sind Erkenntnisse darüber,

  • in welchen Lebensphasen, in welchen Lebenslagen und unter welchen situativen Umständen keine Kinder gewünscht werden,
  • was Frauen über "den richtigen Zeitpunkt im Leben für ein Kind" und über die angemessene Familiengröße denken,
  • warum trotz der Möglichkeit, sicher zu verhüten, eine Schwangerschaft - entgegen den eigenen Vorstellungen - eintreten konnte und
  • wie über das Austragen oder Abbrechen der Schwangerschaft entschieden wurde.

Die Studie frauen leben 3 knüpft an die 1998/99 durchgeführte Studie "frauen leben - Lebensläufe und Familienplanung" an und greift folgende Eckpunkte des Forschungsansatzes auf:

  • umfassendes Verständnis von Familienplanung als private Lebensgestaltung,
  • Einbezug der Lebenslaufperspektive,
  • Sozialräumlicher Ansatz,
  • Methodenkombination einer standardisierten Befragung und qualitativer Einzelinterviews.

Zusätzlich werden Beraterinnen aus Familien- und Schwangerschafts(konflikt)beratungsstellen interviewt und forschungsbegleitende Workshops mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Schwangerschaftsberatung und Familienplanung durchgeführt.

Um länderspezifische sozialstrukturelle Rahmenbedingungen einzubeziehen, wurden die Bundesländer in vier Gruppen mit jeweils typischen, gemeinsamen Merkmalen eingeteilt. Die als Erhebungsregionen ausgewählten Bundesländer Sachsen, Berlin, Niedersachsen und Baden-Württemberg repräsentieren jeweils eine dieser vier Ländergruppen. Den Erhebungen vorangestellt ist die Recherche der Sozialprofile in den vier Bundesländern.