Zwei Tage Diskussion und Austausch

"Sexualität selbstbestimmt leben in Wohneinrichtungen. Wir wollen. Wir wissen. Wir können."

Am 7. und 8. November 2018 wird in Essen ein vielfältiges Materialpaket zur sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigungen vorgestellt.

Dieses Material wurde in vergangenen vier Jahren im von der BZgA geförderten Forschungsprojekt „Reflexion, Wissen, Können – Qualifizierung von Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohnern zur Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung für erwachsene Menschen mit Behinderung in Wohneinrichtungen“ (ReWiKs) entwickelt.

ReWiKs - das Projekt

Seit 2014 fördert die BZgA das Forschungsprojekt „Reflexion, Wissen, Können – Qualifizierung von Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohnern zur Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung für erwachsene Menschen mit Behinderung in Wohneinrichtungen“ (ReWiKs). In den letzten vier Jahren hat das Projekt ein vielfältiges Materialpaket zur sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigungen entwickelt.

Diese Materialien wurden gemeinsam in einem partizipativen Prozess erarbeitet von:

Prof. Dr. Sven Jennessen (Humboldt-Universität zu Berlin) – Bereich Reflexion,

Prof. Dr. Barbara Ortland (Katholische Hochschule NRW) – Bereich Wissen,

Prof. Dr. Kathrin Römisch (Evangelische Hochschule Bochum) – Bereich Können

sowie den jeweiligen Mitarbeitenden und in enger Kooperation mit Bewohnerinnen und Bewohnern und Mitarbeitenden aus Einrichtungen der Eingliederungshilfe. Unterstützt wurden sie dabei von dem Projekt-Beirat.

Ein Projekt - drei Forschungsbereiche

Der Bereich Reflexion

Leitung Prof. Dr. Sven Jennessen

Der Bereich Reflexion entwickelte strukturierte und umfangreiche Fragebogen-Sets in schwerer Sprache für Mitarbeitende als auch in Leichter Sprache für Bewohnerinnen und Bewohner auf der Grundlage von Leitlinien gelingender sexueller Selbstbestimmung. Diese dienen dazu, die aktuelle Arbeits- und Lebenssituation komplex zu reflektieren und Ansatzpunkte für möglicherweise notwendige Veränderungen zu finden.

Der Bereich Wissen

Leitung Prof. Dr. Barbara Ortland

Im Bereich Wissen entstanden vielfältige Bildungsmaterialien zu verschiedenen Themen sexueller Selbstbestimmung für Mitarbeitende, Bewohnerinnen und Bewohner und beide Gruppen zusammen, die in unterschiedlichen Settings (alleine, im Team, in größeren Veranstaltungen) genutzt werden können.

Zudem wurden Fortbildungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren entwickelt, um sexuelle Selbstbestimmung in Einrichtungen konzeptionell auf Organisationsebene voranzubringen.

Der Bereich Können

Leitung Prof. Dr. Kathrin Römisch

Im Bereich Können wurde ein Handbuch mit erprobten, evaluierten und weiterentwickelten Handlungsempfehlungen für Veränderungsprozesse in der Praxis erareitet. Das Handbuch wurde in schwerer Sprache für Mitarbeitende und in mehreren Heften in Leichter Sprache für Bewohnerinnen und Bewohner erstellt.

Programmübersicht – Tag 1

Eröffnung und Begrüßung

  • Eckhard Schroll (Leiter der Abteilung Sexualaufklärung, Verhütung, Familienplanung in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)
  • Jürgen Dusel (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung)
  • Julia Krieger (Leiterin des Referats Schwangerschaftskonfliktgesetz, Sexualaufklärung, Frauen mit Beeinträchtigungen im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Selbstreflexions-Methode Sexualität – und ICH?

Zielgruppe: Inklusiv

Mitwirkende Personen: Rahel Schowalter, Jenny Trübe (ReWiKs-Team Reflexion)

Bevor im Rahmen der Tagung Raum für fachliche Begegnung und Diskussion gegeben wird, werden alle Teilnehmenden eingeladen, den Blick auf ihre eigene Sexualität zu richten und dabei auch das Verbindende aller menschlichen Sexualität zu entdecken.

Denn: Die Sexualität jedes Menschen ist einzigartig. Sie entwickelt sich im wechselseitigen Prozess von Individuum und sozialen, institutionellen und gesellschaftlichen Einflüssen. Die individuelle Sexualität wiederum prägt das Denken und Fühlen sowie die Begegnungen der Menschen miteinander. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, in welcher Funktion sie sich begegnen: als Mitarbeitende oder Bewohnerinnen und Bewohner von Einrichtungen der Eingliederungshilfe, als Beratende und Ratsuchende, als Forschende und Forschungspartnerinnen und -partner.

 

 

Thematischer Einstieg ReWiKs - Einblick in vier Jahre Projektarbeit

Zielgruppe: Inklusiv

Mitwirkende Personen: Prof. Dr. Sven Jennessen (Humboldt-Universität zu Berlin – ReWiKs-Team Reflexion), Prof. Dr. Barbara Ortland (Katholi- sche Hochschule NRW – ReWiKs-Team Wissen), Prof. Dr. Kathrin  Römisch (Evangelische Hochschule Bochum – ReWiKs-Team Können)

Das ReWiKs-Team informiert über den Prozess des Projektes in den letzten vier Jahren. Die Beteiligten erklären ihr Vorgehen und berichten von den Erfahrungen, die sie gemacht haben.

Pause - Mittagsimbiss

Markt der Möglichkeiten

Zielgruppe: Inklusiv

Mitwirkende Personen: ReWiKs-Team gesamt

Das ReWiKs-Team stellt vor, welche Materialien in der Projektarbeit entwickelt wurden. Die Materialien liegen bereit und können angeschaut werden. Das Team wird Details zu den Inhalten erläutern und Fragen beantworten.

Workshop 1 bis Workshop 5

Zwischenstand - Zusammenfassung und Abschluss des ersten Tages
Verabschiedung der Gäste, die nicht am zweiten Tag teilnehmen können

Ausklang des Tages (optional)
Gemeinsames Abendessen mit kulturellem Programm

Programmübersicht - Tag 2

Das bringt der zweite Tag der Tagung: Eröffnung und Begrüßung

  • Prof. Dr. Sven Jennessen (Humboldt-Universität zu Berlin – ReWiKs-Team Reflexion)
  • Prof. Dr. Barbara Ortland (Katholische Hochschule NRW – ReWiKs-Team Wissen)
  • Prof. Dr. Kathrin Römisch (Evangelische Hochschule Bochum – ReWiKs-Team Können)

Workshop 6 bis Workshop 10

Pause - Mittagsimbiss

Interaktive Schlussphase: Zusammenfassung und Abschluss der Tagung

  • Prof. Dr. Sven Jennessen
  • Prof. Dr. Barbara Ortland
  • Prof. Dr. Kathrin Römisch 

Verabschiedung

  • Prof. Dr. Sven Jennessen
  • Prof. Dr. Barbara Ortland
  • Prof. Dr. Kathrin Römisch
  • Angelika Hessling (BZgA)
  • Stefanie Paschke (BZgA)

Workshops Tag 1

Menschen leben verschieden, Menschen lieben verschieden – ein Workshop zum Thema sexuelle Vielfalt

Zielgruppe
Inklusiv

Mitwirkende Personen
Dorothea Kusber-Merkens, Sandra Knoblich, Maria Köpsel (ReWiKs-Team Wissen)

Im Rahmen des Projektes sind viele Materialien entstanden – auch solche, die in Fortbildungen eingesetzt werden können. Einige Materialien zum Thema „Sexuelle Vielfalt” werden vorgestellt. Sie sollen im Workshop besprochen und ausprobiert werden.  

Bewohnerinnen und Bewohner werden Eltern – Wünsche und Ängste in Wohneinrichtungen

Zielgruppe
Inklusiv

Mitwirkende Personen
Prof. Dr. Sven Jennessen, Jenny Trübe (ReWiKs-Team Reflexion) Kerstin Blochberger (Bundesverband behinderter Eltern e.V. [BBE e.V.] – Hannover)  

Kein Thema im Kontext sexueller Selbstbestimmung ist immer noch so tabuisiert und von unterschiedlichsten Ängsten, Bedenken und Vorurteilen besetzt wie die Eltern- schaft von Menschen mit Beeinträchtigung – und das trotz der Feststellungen der UN-Behindertenrechtskommission. Sie legt dar, dass Menschen mit Beeinträchtigungen ein Recht auf eine freie und verantwortungsbewusste Entscheidung darüber haben, ob, wann und wie viele Kinder sie bekommen möchten. In diesem Workshop können sich Menschen mit und ohne Beeinträchtigung selbstreflexiv mit ihren Wünschen und Fragen auseinandersetzen. Als Werkzeug dient das ReWiKs-Fragebuch in schwerer sowie in Leichter Sprache. Es hilft, Haltungen, Strukturen und Praktiken in Wohneinrichtungen zu hinterfragen.

Grenzen – mein Bereich, dein Bereich

Zielgruppe
Inklusiv

Mitwirkende Personen
Anneke Arlabosse, Carina Bössing, Mareike Haurand (ReWiKs-Team Können)  

Im Vordergrund des Workshops stehen die Fragen: „Wo werden Grenzen in der Wohneinrichtung überschritten? Wie können diese geschützt werden?“ Die Teilnehmenden sollen hinsichtlich ihrer eigenen Grenzen sensibilisiert werden sowie für die Grenzen ihres Gegenübers. Eine Vertiefung findet mithilfe praktischer Übungen sowie durch die Arbeit mit dem ReWiKs-Material statt.

Liebe, Sex und Partnerschaft

Zielgruppe
Bewohnerinnen und Bewohner

Mitwirkende Personen
Rahel Schowalter, Kim Marsh (ReWiKs-Team Reflexion)
Petra Schyma (donum vitae zur Förderung des Schutzes des menschlichen Lebens e.V., Bundesverband)

Die Sehnsucht nach Liebe, Intimität und Nähe ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen. Die individuelle Auseinandersetzung mit diesen Bedürfnissen beinhaltet auch die Suche nach subjektiv sinnvollen Wegen, sie zu befriedigen. Menschen, die in Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe leben, wünschen sich oft mehr Mög- lichkeiten, Partnerinnen oder Partner kennenzulernen und private selbstbestimmte Beziehungen führen zu können. In diesem Workshop bieten wir einen Erfahrungsaustausch über die Themen an, die die Workshop-Teilnehmenden im Kontext von Liebe, Sex und Partnerschaft beschäftigen. Wir möchten auf Fragen eingehen und bieten themenbezogenes Informationsmaterial an, das kostenfrei mitgenommen werden kann.

Sexualität im Alltag – was kann/muss/soll ich tun?

Zielgruppe
Mitarbeitende

Mitwirkende Personen
Prof. Dr. Barbara Ortland (ReWiKs-Team Wissen)
Brigitte Faber (Weibernetz e.V., Politische Interessenvertretung behinderter Frauen, Kassel)

Regeln bestimmen den Arbeitsalltag – auch im Bereich der sexuellen Selbstbestimmung der Bewohnerinnen und Bewohner. Hier ergeben sich oft Spannungsfelder zwischen dem Recht auf selbstbestimmte Sexualität des einen und dem Schutz der Intim- und Privatsphäre des anderen. Mitarbeitende stehen vor Herausforderungen, die gemeinsam gelöst werden müssen. Dies kann mit den ReWiKs-Materialien reflek- tiert und es kann nach Veränderungen gesucht werden. Gemeinsam sollen die Möglichkeiten erprobt und diskutiert werden.

Workshops Tag 2

ReWiKs-Lotsin/-Lotse werden ist nicht schwer – dabeizubleiben jedoch sehr?

Zielgruppe
Inklusiv

Mitwirkende Personen
Andreas Nitsche (ReWiKs-Team Wissen)
Christian Franke, Katja M. Nuß, Inga Samwer, Anna Schlotmann (ReWiKs-Lotsinnen und -Lotse)

ReWiKs-Lotsinnen und -Lotsen setzen sich für die Erweiterung der sexuellen Selbst- bestimmung in „ihren“ Wohneinrichtungen ein. Sie übernehmen konzeptionelle Verantwortung. Mithilfe des ReWiKs-Materials geben sie Reflexionsimpulse und überblicken vielfältiges Material zur Wissenserweiterung der Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeitenden und Leitungen. In diesem Workshop bieten aktive Lotsinnen und Lotsen einen Blick „hinter die Kulissen“ und diskutieren gemeinsam mit Bewohnerinnen, Bewohnern und Mitarbeitenden Höhepunkte und Stolpersteine aus der gelebten Alltagspraxis.

Gemeinsam die Einrichtung verändern – die Zukunftswerkstatt als inklusive Methode ausprobieren

Zielgruppe

Inklusiv

Mitwirkende Personen
Prof. Dr. Kathrin Römisch, Clara Levin (ReWiKs-Team Können)

Dieser Workshop widmet sich der partizipativen Organisationsentwicklung. Gemeinsam soll der Frage nachgegangen werden, wie eine sexualfreundliche Wohneinrichtung aussehen kann und was es dafür braucht. Die Teilnehmenden werden dies mithilfe der Methode der Zukunftswerkstatt gemeinsam erarbeiten.

Leichte Sprache

Zielgruppe

Inklusiv

Mitwirkende Personen
Anneke Arlabosse, Greta Bischof (ReWiKs-Team Können) Karin Schütt (AnWert – Arbeit und Bildung e.V.)

Leichte Sprache wird immer sichtbarer. Nicht nur Menschen mit Behinderung profitieren davon, sondern auch andere Personengruppen. In diesem Workshop wird unter anderem geklärt, was Leichte Sprache genau ist, wo man ihr begegnet und für wen sie gedacht ist. Der Workshop ist interaktiv ausgestaltet. Es werden unter anderem Stolpersteine in Leichter Sprache diskutiert und es finden Übersetzungsübungen in Kleingruppen statt. Eine Übersetzerin gibt zudem Einblick in die Arbeit eines Übersetzungsbüros.

Sexualität selbstbestimmt: unsere Sexualität – unsere Entscheidung

Zielgruppe

Bewohnerinnen und Bewohner

Mitwirkende Personen
Jenny Trübe, Kim Marsh (ReWiKs-Team Reflexion)
Frank Kühlborn, Roswitha Senf, Veronika Schmitt (Bewohnerinnen und Bewohner aus Einrichtungen)

Die geistige und emotionale Anerkennung, dass Freiheit, Würde und Gleichheit für alle Menschen gelten, muss Voraussetzung für eine Begegnung zwischen Menschen sein, bei der Selbstbestimmung und persönliche Entfaltung sich entwickeln dürfen. Besonders, wenn es sich um Selbstbestimmungsprozesse im Kontext der eigenen sexuellen Identität handelt, braucht jeder Mensch einen vertrauensvollen und geschützten Rahmen. Für Menschen, die in Wohneinrichtungen leben und in einem
oft existenziell empfundenem Abhängigkeitsverhältnis zu Mitarbeitenden stehen, ist es häufig (noch) schwierig, solche Rahmenbedingungen selbst zu gestalten. Gemeinsam möchten wir uns über Möglichkeiten und Ideen hierzu austauschen. Besondere Gäste sind die Mitglieder des Arbeitskreises Freie Besprechung. Die Bewohnerinnen und Bewohner sowie Forschende dieses Arbeitskreises stellen sich vor und erzählen von ihren Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit ihrer sexuellen Selbstbestimmung.

Fortbildung zur Lotsin / zum Lotsen – wie ReWiKs in eine Organisations- einheit gelangen kann

Zielgruppe
Mitarbeitende

Mitwirkende Personen
Prof. Dr. Barbara Ortland (ReWiKs-Team Wissen)

Die Erweiterung sexueller Selbstbestimmung für Erwachsene mit Behinderung in Wohneinrichtungen erfordert auch strukturelle Veränderungen in der gesamten Einrichtung. Diesem Bedarf wurde durch die Entwicklung, Erprobung und Evaluation einer Fortbildung zur ReWiKs-Lotsin bzw. zum ReWiKs-Lotsen entsprochen. Diese  wird in ihrer Struktur, in ihren Inhalten und dem Gewinn für die Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung vorgestellt und gemeinsam kritisch diskutiert.

Informationen in Leichte Sprache

Jeder Mensch wünscht sich Liebe und Sex.

Menschen mit Behinderungen wünschen sich auch Liebe und Sex.

Jeder Mensch hat ein Recht auf Sexualität.