Erste Studienergebnisse

Verhütungsverhalten Erwachsener 2018

Im Dezember 2018 wurden in einer repräsentativen Befragung Frauen und Männer zu ihrem Verhütungsverhalten bzw. -wissen befragt. Im Rahmen der Studie wurde zum einen ermittelt, welche Verfahren und Methoden der Empfängnisverhütung von erwachsenen Frauen und Männern angewandt werden. Zum anderen interessierten das Informationsverhalten, die präferierten Informationsquellen sowie das Wissen der Befragten zum Thema Kontrazeption.

Insgesamt haben 992 sexuell aktive Frauen und Männer im Alter von 18 bis 49 Jahren an der Studie teilgenommen. Die Erhebung wurde mit Hilfe computergestützter Telefoninterviews durchgeführt.

Die aktuelle Befragung ist im Kern eine Wiederholung der Studien zum Kontrazeptionsverhalten, die 2003, 2007 und 2011 im Auftrag der BZgA durchgeführt wurden.

Pille und Kondom sind nach wie vor die wichtigsten Verhütungsmittel in Deutschland.

  • Pille und Kondom sind nach wie vor die wichtigsten Verhütungsmittel in Deutschland. Es gibt jedoch eine neue Entwicklung: Das Kondom gewinnt als Verhütungsmittel an Bedeutung. In den Vorgängerstudien erwies sich die sexuell aktive Bevölkerung in ihrem Verhütungsverhalten seit Jahren als sehr konstant; auf die einzelnen Methoden entfielen immer etwa die gleichen Anteile. In der aktuellen Studie manifestiert sich ein Verhaltenswandel. Die Nutzung des Kondoms ist deutlich angestiegen (plus 9 Prozentpunkte gegenüber 2011), während der Anteil derjenigen, welche die Pille nutzen, um 6 Prozentpunkte zurückging.
  • In der jüngsten Alterskohorte ist dieser Trend mit einer Abnahme des Anteils von Pillennutzenden um 16 Prozentpunkte am stärksten ausgeprägt.

Im Laufe des Lebensalters verändert sich das Verhütungsverhalten.

  • Im Laufe des Lebensalters verändert sich das Verhütungsverhalten – das lässt sich gut am unterschiedlichen Antwortverhalten der drei Altersgruppen festmachen.
  • In der Gruppe der Zwanzigjährigen (18 bis 29 Jahre) findet man den größten Anteil an Pillennutzerinnen (56 %), gleichzeitig aber auch den höchsten Anteil an Kondomnutzenden (58 %). Aus der Größenordnung dieser Zahlen wird bereits ersichtlich, dass es Doppelnutzungen gibt. Das Kondom wird genauso häufig wie die Pille als alleiniges Verhütungsmittel verwendet (35/34 %). Sterilisation kommt noch nicht in Frage, und die Spirale ist nicht sehr relevant (5 %).
  • Die insgesamt festgestellte rückläufige Pillennutzung manifestiert sich am deutlichsten in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen: Hier beträgt das Minus 16 Prozentpunkte.
  • Die Doppelnutzung von Pille und Kondom ist in der jüngsten Altersgruppe immer noch weit verbreitet – aber nicht mehr so stark wie früher. Heute wird das Kondom zu einem größeren Anteil als alleiniges Verhütungsmittel eingesetzt (35 % ggü. 2011: 20 %), das entspricht dem Anteil der Pille als alleinigem Verhütungsmittel (34 %).
  • Neu ist: Im Gegensatz zu 2011 liegt der Schwerpunkt in der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre nicht mehr auf der Pille. Die Verhütung mit dem Kondom weist in dieser Altersgruppe den größten Zuwachs auf (plus 11 Prozentpunkte). Hinzu kommen Verluste der Pille (minus 6 Prozentpunkte). Damit sind Kondom und Pille für die Gruppe der Frauen in den Dreißigern heute insgesamt Verhütungsmittel von gleichem Rang. Als alleiniges Verhütungsmittel präferiert diese Altersdekade aber, anders als die Jüngeren, immer noch eher die Pille als das Kondom.

Die Sicherheit des Verhütungsmittels hat erste Priorität für die meisten Befragten.

  • Der erste und wichtigste Grund für die Wahl des Verhütungsmittels: die Überzeugung, dass man mit diesem Mittel sicher und zuverlässig verhüten kann. Mehr als vier von zehn Befragten, die derzeit verhüten, beziehen sich auf das Sicherheits-Argument (42 %).
  • Drei von zehn Verhütenden stellen den Aspekt heraus, dass das Verhütungsmittel ihrer Wahl einfach und bequem anzuwenden ist (31 %).
  • Beide Begründungen standen bereits vor sieben – und auch vor elf – Jahren mit Abstand vor allen anderen an der Spitze der Rangskala. Während der Sicherheitsaspekt leicht zulegen konnte (plus 4 Punkte), wird die einfache Handhabung heute genauso häufig wie 2011 als Argument angeführt.
  • Auf Platz 3 folgen die (geringen) Nebenwirkungen.
  • Im Schnitt werden rund 1,5 Gründe für die Wahl genannt.
  • Die Sicherheit des Verhütungsmittels hat erste Priorität für (fast) alle Befragten, egal, für welches Verhütungsmittel sie sich entschieden haben. Allerdings durchaus mit unterschiedlichem Gewicht: Für Befragte, die das Kondom in Kombination mit einer anderen Methode verwenden, ist der Sicherheitsaspekt herausragend wichtig (69 %), weit vor praktischen Erwägungen oder anderen Gründen.
  • Wer allein auf die Pille setzt, betont neben der Sicherheit die einfache Handhabung – mehr als diejenigen, die allein das Kondom verwenden. Eine gute Verträglichkeit bzw. wenig Nebenwirkungen ist kein herausragendes Motiv, sich für die Pille zu entscheiden; diese Überlegung ist bei anderen Verhütungsmitteln (Kondom, Spirale) relevanter.
  • Für Befragte, die ausschließlich das Kondom nutzen, steht neben der Sicherheit die gute Verträglichkeit im Vordergrund, erst knapp danach folgt die einfache Handhabung. Das Motiv der guten Verträglichkeit findet aber auch noch an anderer Stelle ihren Ausdruck: Zu den 27 Prozent, die gute Verträglichkeit als Motiv nennen, kommen weitere 10 Prozent hinzu, welche explizit gegen die Pille argumentieren, die nicht vertragen wird oder gegen die eine generell ablehnende Haltung besteht. Zusammengenommen ist die gute Verträglichkeit mit 37 Prozent das wichtigste Motiv für die alleinigen Kondomnutzer.
  • Wer das Kondom zusätzlich zu einer anderen Methode verwendet, für den bzw. die ist die Aidsproblematik sehr präsent. 16 Prozent stellen den Gedanken an Schutz vor Geschlechtskrankheiten als Motiv für die Verhütungsmittelwahl heraus. Das sind noch einmal mehr als bei denen, die allein auf das Kondom setzen (8 %). Allerdings weist dieses Motiv gegenüber 2011 für beide Gruppen Verluste auf (minus 8 bzw. minus 6 Prozentpunkte).
  • Kaum jemand fühlt sich über die Verhütungsmethode, die er bzw. sie anwendet, schlecht informiert. Die Antwort „weniger gut informiert" nennen nur 5 Prozent der Befragten, und als „schlecht" informiert sehen sich lediglich 2 Prozent an.
  • Im Anteil derer, die ihre Kenntnisse als hervorragend einschätzen, liegen dann auch die wesentlichen Unterschiede, wenn man die Geschlechter vergleicht. Während sich Frauen zu 71 Prozent als „sehr gut" informiert bezeichnen, umfasst dieser Anteil bei Männern nur 55 Prozent. Die Verschiebung hin zu optimaler Informiertheit haben jedoch beide Geschlechter gleichermaßen in den letzten Jahren vollzogen.
  • Unterscheidet man nach Alter, so fällt auf, dass vor allem die jungen Frauen unter 30 von ihrem Wissensstand überzeugt sind. Als mindestens „gut" informiert sieht sich ausnahmslos jede junge Frau (100 %; junge Männer unter 30: 88 %). Die 18- bis 29-Jährigen sind aber nicht diejenige Altersgruppe, die den höchsten Anteil an „sehr gut" Informierten stellt. Das sind aktuell die älteren Frauen ab 40 (80 %), die damit am deutlichsten zugelegt haben (2011: 62 %).

Gynäkologische Praxen sind die wichtigsten Informationsquellen über Verhütungsmittel.

  • Für mehr als der Hälfte der Befragten ist die eigene Frauenärztin bzw. der eigene Frauenarzt die wichtigste Informationsquelle für das derzeit angewendete Verhütungsmittel gewesen. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen das Internet und Gespräche mit Familienangehörigen oder im Freundeskreis, jeweils von rund einem Drittel der Befragten genannt.
  • Frauen haben in ihrer Frauenärztin bzw. ihrem Frauenarzt in jedem Fall ihre Hauptansprechperson: 80 Prozent benennen diese bzw. diesen als ihre Informationsquelle. Andere Personen oder Medien treten demgegenüber in ihrer Bedeutung zurück, auch wenn die allermeisten Frauen zusätzlich weitere Optionen nennen. Im Schnitt benennen Frauen 2,0 Informationsquellen. Größere Bedeutung haben darunter das Internet, Gespräche im Familien- und Freundeskreis und Berichte in Zeitungen oder Zeitschriften (alle von jeweils mindestens 20 %, maximal von 29 % genannt).
  • Männer können persönlich selten auf Beratung in einer gynäkologischen Praxis zurückgreifen – diese Informationsquelle wird von ihnen daher erwartungsgemäß seltener genannt (28 %). Männer informieren sich stattdessen über eine größere Palette der zur Verfügung stehenden Informationskanäle. Im Schnitt nutzen sie 2,4 verschiedene Informationsquellen.
  • Vor allem setzen sie auf Informationen aus dem Internet (40 %) und auf Ratschläge von Familienangehörigen und Freunden (40 %). Auch die Schule ist für männliche Befragte von ähnlich hoher Bedeutung ist (38 %).
  • Das Alter hat ebenfalls Einfluss auf das Informationsverhalten. Für die Jüngeren spielt das Internet eine große Rolle: Unter den 18- bis 29-Jährigen nennt rund die Hälfte der Befragten (48 %) das Internet als wichtigen Kanal zur Information; schon bei der nächstfolgenden Altersdekade sind es nur noch 31 Prozent und der Anteil sinkt bei höherem Alter noch weiter ab auf 21 Prozent.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse eine eher kritische Einstellung zu hormonellen Verhütungsmethoden.

  • Die Pille ist nach wie vor das meistgenutzte Verhütungsmittel, zudem sind in kleinerem Umfang auch andere hormonelle Methoden in der Anwendung.
  • In der aktuellen Studie wurden drei Aussagen zu hormoneller Verhütung vorgestellt und die Befragten wurden gebeten, jeweils anzugeben, ob sie diesen Aussagen zustimmen oder ihnen ablehnend gegenüberstehen. Alle drei beziehen sich auf die Bewertung der Risiken bei der Nutzung von hormonellen Verhütungsmitteln wie der Pille, wurden jedoch teils mit positivem, teils mit negativem Grundtenor formuliert. Rund die Hälfte der Befragten stimmt der Aussage zu, dass die Verhütung mit der Pille negative Auswirkungen auf Körper und Seele hat. Mit 22 Prozent lehnen weniger als halb so viele die Aussage ab, während 28 Prozent eine ambivalente Einstellung äußern. Bei den Frauen – den potenziellen Anwenderinnen – fällt die Zustimmung zu dem der Pille gegenüber kritischem Item noch höher aus.
  • Auch von den Befragten, die die Pille aktuell als Verhütungsmittel nutzen, stimmen 29 Prozent der pillenkritischen Aussage zu. Bei den Frauen ist die Zustimmung mit 38 Prozent signifikant höher als unter Männern, deren Partnerinnen die Pille nehmen (20 %). Während Männer sich eindeutiger positionieren und vielfach eine konkrete Ablehnung der Aussage zum Ausdruck bringen, wählen Frauen, die mittels Pille verhüten, eher den mittleren Skalenwert, der eine Ambivalenz anzeigt.
  • In hohem Maße Zustimmung findet die hormonkritische Aussage über negative Auswirkungen auf Körper und Psyche bei Frauen, die sich in der Verhütungsfrage allein für das Kondom entschieden haben (81 %).
  • Auch bei Befragten mit Migrationshintergrund trifft die hormonkritische Äußerung auf überdurchschnittlich viel Resonanz (64 % Zustimmung).
  • Betrachtet man die Altersgruppen, so ist die Zustimmung zur hormonkritischen Aussage bei den 18 bis 29-Jährigen am höchsten.
  • Die zweite der vorgestellten Aussagen zur hormonellen Verhütung war bewusst positiv formuliert: „Verhütung mit der Pille oder Hormonen in anderer Form kann man unbedenklich über Jahre hinweg anwenden". Hier entspricht einer Ablehnung der Aussage also, dass man die Einnahme der Pille oder anderer hormonbasierter Verhütungsmittel über lange Zeit für bedenklich hält. Die Ablehnung beträgt 55 Prozent und damit ist die Mehrheit der jahrelangen Anwendung der Pille kritisch gegenüber eingestellt. Auch dieses Mal sind die Frauen kritischer als die Männer (Ablehnung 62 % ggü. 48 %).
  • Die Ablehnung der vorgegebenen Aussage fällt niedriger aus, je höher das Alter der Befragten ist. Ältere Befragte sehen damit die jahrelange Nutzung der Pille weniger kritisch, und gerade die 25- bis 29-Jährigen finden dies umgekehrt gar nicht gut. Befragte, die mit der Pille verhüten, sind weniger kritisch (41 %) als die, die ausschließlich das Kondom nutzen (71 %).
  • Dass auch sehr junge Mädchen risikolos mit hormonellen Verhütungsmitteln wie der Pille verhüten können, denken nur 33 Prozent der Befragten.